1955-63

 

Die Mauer

Photo: Mauerbau in der Harzer Straße, 1961
Wahlplakat: Auch morgen in Freiheit leben - CDU, 1961
Photo: Präsident Kennedy in Berlin, 1963

Die seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges schwelende Berlin-Krise erreicht im November 1958 einen neuen Höhepunkt: In einem Ultimatum verlangt die UdSSR die Umwandlung West-Berlins in eine "selbstständige" Freie Stadt und fordert die Westmächte auf, ihre Truppen aus West-Berlin abzuziehen und die Hoheitsrechte für die Zugangswege an die DDR abzutreten. Nikita S. Chruschtschows Berlin-Ultimatum ist die Geburtsstunde der Dreistaatentheorie. Danach sind nach 1945 in Deutschland drei Staaten entstanden: Die Bundesrepublik, die DDR und das "besondere Territorium West-Berlin".

Die Westmächte befürchten, dass eine Freie Stadt West-Berlin auf Dauer nicht vor dem Zugriff der UdSSR sicher wäre. Sie lehnen daher die weitreichenden Forderungen der Sowjetunion ab, die auch gegen die Rechte und Pflichten der Westmächte für Berlin verstoßen würden. Für die DDR hingegen wird die offene Grenze nach West-Berlin zunehmend untragbar. Um die wachsenden Flüchtlingsströme und die dadurch hervorgerufenen, zunehmenden wirtschaftlichen Probleme abzuwenden, sieht sich die DDR-Regierung schließlich zum Handeln veranlasst: Am 13. August 1961 wird der bislang noch freie Zugang nach West-Berlin abgeriegelt.

Die DDR zementiert mit dem Mauerbau die deutsche Teilung. Der völkerrechtliche Status von West-Berlin wird jedoch nicht berührt. Die Reaktion der Westmächte beschränkt sich daher auf die Entsendung eines US-Militärkonvois über die Transitstrecke nach Berlin. Die Bundesregierung wiegelt mit Rücksicht auf die verschärfte Ost-West-Spannung ab und versucht, die aufgebrachte Öffentlichkeit zu beruhigen. So unterbricht Bundeskanzler Adenauer seine Wahlkampfreise zunächst nicht und fliegt erst am 22. August nach Berlin. Sein Verhalten wird von der Bevölkerung jedoch stark kritisiert und führt bei der Bundestagswahl zu Verlusten für die CDU/CSU.

Mit dem Bau der Mauer ist die Krise um Berlin aber noch nicht beendet. Als Ende Oktober 1961 Mitarbeiter der amerikanischen Verwaltung an der Einreise in den Ostsektor gehindert werden, fahren an der Grenzübergangsstelle "Checkpoint Charlie" demonstrativ amerikanische Panzer auf. Wenig später stehen ihnen sowjetische Panzer gegenüber. Der Weltöffentlichkeit wird deutlich, dass die Vereinigten Staaten auf ihren Rechten in Berlin bestehen, an der Teilung der Stadt jedoch nichts ändern können. Die amerikanische Garantie für die Sicherheit und Freiheit West-Berlins wird bei dem Besuch Präsident Kennedys in Berlin am 26. Juni 1963 von diesem in einer großen Rede öffentlich bekräftigt.

(ag) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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